Das Ding mit veganer Ernährung

Ich bin seit 2010 Vegetarier. Und das obwohl ich wirklich sehr gerne Fleisch gegessen habe. Und auch nicht mal unbedingt den guten Scheiß, sondern Gyros, Salami, Hack in jeder Variation, Leberwust, Bratwurst und Brühwurst. Yummie!

LeckerVegan

Die Wende brachte dann ein Katerfrühstück mit Lamachun. Was leider mit teilweise rohem Fleisch bestückt war. Dies hat mir dann zwei Nächte und einen Tag in engem Kontakt mit der heimischen Toilette und einen lang anhaltenden Ekel auf den Geruch von jeglichem Fleisch beschert.

Als dann nach einiger Zeit der Ekel nachließ und mir der Fleischkonsum überhaupt nicht fehlte, habe ich beschlossen einfach gar kein Fleisch mehr zu essen – bis ich irgendwann wieder so richtig Bock hätte!

Soweit so gut. Bock blieb aber aus. Und so wurde ich Vegetarier.

Im Sommer 2013 habe ich mich dann entschieden vegan zu leben. Oder insoweit eine vegane Ernährung anzustreben, wie sich das für mich gut anfühlt. Alles was ich unappetitlich fand und ich durch meinen Konsum nicht mit verantworten wollte, lies ich weg. Einfach mal ausprobieren. Und wenn es zu ansträngend werden sollte, wollte ich es wieder lassen.

Das ist dann leider auch schon der Punkt. Vegane Ernährung ist verdammt ansträngend!

Ab dem Zeitpunkt an dem ich mich entschieden habe keine tierischen Produkte mehr zu mir nehmen zu wollen, fing es nun an, dass so ziemlich jeder eine Meinung zu meiner Ernährung hat und noch schlimmer: jeder meinte auch noch mir diese Meinung mitteilen zu müssen.

Nicht nur das man ständig populistische Thesen, gefährliches Halbwissen und blöde Witze um die Ohren gehauen bekommt, nein – man macht sich selbst auch zum Außenseiter. Und niemand will gerne Außenseiter sein!

Egal was einem die ganzen Medien-Veganer ständig vorbeten – es gibt nicht in jedem Restaurant/Imbiss/Mensa vegane Alternativen. Vegane Ernährung ist nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen und man findet auch in einer Großstadt nicht in jedem Supermarkt alle veganen Zutaten.

Vegan ist wahnsinnig zeitintensiv. Nicht nur was die Planung des Essens angeht, sondern teilweise auch die Zubereitung. Es ist viel Kreativität und Experimentierfreude gefragt. Und das mehrfach jeden Tag. Wer nicht hauptberuflich veganer Food-Blogger oder Koch ist kann mir nicht sagen das er jeden und jeden Tag Lust und Zeit hat seine Mahlzeiten so intensiv zu organisieren.

Ich koche sehr gerne, bin auch experimentierfreudig und immer auf der Suche nach neuen Rezepten. Aber ich plane meine Rezepte lieber danach was ich gerne esse und auf was ich Lust habe, nicht danach welche Mineral – und Inhaltsstoffe ich in dieser und jener Kombination heute noch zu mir nehmen muss um irgendwelche Mängel vorzubeugen von denen ich bis dato nie etwas gehört habe!

Vegan kann auch ziemlich frustrierend sein. Beispiel Urlaub: Während die einen im Tapas Himmel schwelgen bleibt für Veganer oft nur Pommes mit Salat als Alternative.

Es ist halt schade wenn der Genuss auf der Strecke bleibt.

Außerdem und das stört mich am meisten – Es stresst andere: Man setzt Gastgeber dem Druck aus eine vegane Alternative bereit halten zu müssen. Wenn man schon eingeladen wird und sich andere Menschen die Mühe machen für einen zu kochen ist es mir oft sehr peinlich wenn mir klar wird welchem Stress ich diese Leute dann aussetze nur um mir eine Alternative bieten zu können. Oder wenn ihnen auffällt das keine Alternative da ist, bzw. die Alternative doch irgendwie nicht so vegan ist wie der Gastgeber dachte!

Ich glaube ich kann mit Sicherheit sagen das ich kein Fleisch mehr essen werde, aber ich denke nicht das eine strenge vegane Ernährung für mich erstrebenswert und praktikabel ist.

Was ich für mich aber aus diesem Jahr veganer Ernährung mitnehme ist, dass ich viele neue und großartige Lebensmittel entdeckt habe. Das Kochbücher/Blogs/Magazine durchaus interessante Lektüre sein können. Das man Sojamilch nicht in den Kaffee schütten sollte. Veganer nicht immer blass und krank sind. Ich schockiert bin wie viele Leute nur das glauben was auf Spiegel.online steht. Das man, genau wie bei allen anderen Konsumgütern auch, Lebensmittel bewusster konsumieren sollte. Vegan nicht teurer ist. Das ich nicht glaube das Bienen ein Problem damit haben wenn Menschen ihren Honig essen. Das Lebensmittelkonzerne ihre Verbraucher so häufig hinters Licht führen und nicht immer das drin ist was man vermutet. Das Massentierhaltung furchtbar ist und diese Tiere keine lebenswerte Zeit auf dieser Erde haben. Pizza mit Käse schon besser schmeckt. Nicht alle Veganer bessere Menschen sind. Es eine Frechheit ist das nicht alle tierischen Bestandteile in Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen. Ein trockenes Roggenbrötchen morgens um halb sieben keine vegane Antwort auf Backfisch ist. Es keinen Spaß macht im Supermarkt die Ware nur nach ihren Inhaltsstoffen auszuwählen.

Das man mutig sein und Sachen ausprobieren sollte, wenn man das dringende Bedürfnis verspürt seine Lebensgewohnheiten zu verändern.

Zu viele Diskussionen über Essgewohnheiten den Appetit verderben.

 

Meine liebsten Food-Blogs:

That’s Food Darling

Küchengötter

Brötchenzeit

Eat This!

Vegan Guerilla

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*