Das Ding mit Primark

Am Anfang dieser Woche ging mal wieder ein großer Aufschrei durchs Land: Billig Mode ist böse und Konzerne beuten Menschen in fernen Ländern aus!

Das Ding mit Primark

Mehrere Kunden haben angebliche Hilferufe von Arbeitern eingenäht in Primark-Kleidung gefunden. Statt der üblichen Waschanleitung wurden kleine Zettel mit Sätzen wie „Degrading Sweatshop Conditions“ und „Forced to work exhausting hours“ entdeckt. Der Discounter stand bereits Anfang 2013 nach dem Einsturz der bengalischen Textilfabrik ‚Rana Plaza‘ in der Kritik seine Waren zu unmenschlichen Konditionen produzieren zulassen. So weit so furchtbar. Doch den Strom der Käufer stört das nicht:

Primark bietet hippe Kleidung zu unschlagbar günstigen Preisen und nicht nur Teenager mit kleinem Budget gehören zur Kundschaft. Nein, schaut man sich die Horde der Shopper genauer an, die voll gepackt mit riesigen Papiertüten durch die Innenstädte ziehen, fragt man sich wirklich wie es möglich ist das in den anderen Geschäften überhaupt noch Kunden sind. So viele sind es und so verschieden ist die Käufergruppe. Auch Wochen nach der Store Eröffnung in Köln werden es nicht weniger.

Natürlich konnten wir der Neugierde nicht widerstehen und haben in der Mittagspause auch eine kurze Runde durch den Laden gedreht. Einmal Rolltreppe hoch/ schnell wieder den Weg nach unten finden, zurück zum Ausgang – frische Luft schnappen!

Ich war wirklich schockiert über die Masse an Ware die dort angeboten wird und die Willkür mit der die Kunden durch die Reihen von Kleiderstangen laufen, alles in ihre riesigen Einkaufstaschen stopfen und kaufen was auch nur ansatzweise ok wirkt – denn über anprobieren und abwägen denkt doch bei Preisen ab 2,50 nicht wirklich jemand nach!

Massenkonsum, der Drang nach immer mehr. Denn viel hilft viel: Viele Kleider – tolles Leben! Was kümmern mich die andern. Die Arbeiter ohne Gesicht und Namen in fremden Ländern, die man nur vom Schildchen (das man aber eh schnell raus schneidet) hinten im T-Shirt kennt – was soll’s.

Thomas Vorreyer von Spex hat zumindest die Hoffnung das, wenn die gefundenen Hilferufe wirklich echt sind, eben diese Barriere der Anonymität zwischen Produzent und Konsument, auf der das globalisierte Sweatshop-System basiert, einen kleinen Knacks bekommen habe.

Ich hoffe zwar das die Schilder echt sind, glaube aber leider nicht wirklich dran das es möglich ist in der Art manipulierte Ware aus den Fabriken zu schleusen. Vor allem die Geschichte der Frau die einen Hilferuf in einer alten Hose gefunden haben will klingt meiner Meinung nach Trittbrettfahrerei.

Solche Weckrufe sind aber gut und wichtig, denn Umdenken ist das Stichwort und das liegt alleine in den Händen der Konsumenten!

Außerdem ist wichtig das man jetzt nicht denkt nur Primark ist der Teufel und alle andern Textilhersteller Lämmer. Das ganze System ist undurchsichtig und auch bei teuren Markenprodukten sind menschliche Produktionsbedingungen nicht unbedingt gegeben.

Klar, Einkaufsbummel sind schön und Mode ist mir persönlich sehr wichtig, aber verantwortungsvoller Konsum ist gefragt. Es macht Spaß sich von dem hart verdienten Geld was schönes zu kaufen, aber das muss nicht in jeder Mittagspause sein. Einen eigenen Style haben ist wichtiger als jedem Trend zu folgen.
 

 

 

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